Die Zigarre aus dem Buch – De los Reyes Saga Short Tales

Zigarren in Kiste

Ich habe zwischen zwei Buchdeckel schon so einiges entdeckt. Ich war mit Frodo am Schicksalsberg, bin mit Leopold Bloom durch Dublin geirrt, habe Dr. Watson bei seinen Erzählungen zugehört, ich war mit Harry in der Winkelgasse und ich habe Klingsors letzten Sommer erlebt. Ich liebe Bücher, mehr noch, ich verehre dieses Medium. Egal, welche neuen Lesegeräte auf den Markt geworfen werden, für mich ist das Medium Buch das beste auf der Welt. Ja, ich bin mir bewusst, dass diese Erwähnung auf einem Blog durchaus eine leichte Ironie aufweist. Aber wer weiß, ob es den blauen Dunst nicht auch einmal als Buch geben wird.

Buchrücken Short Tales

Der Rücken der Buch-Kiste

Als ich bei meinem letzten Besuch, im Tabakfachhandel, den Humidor betrat, fiel mein Blick nicht – wie üblich – auf die Zigarren, sondern auf ein Buch. Ich wunderte mich noch, was ein Buch in einem Humidor zu suchen hatte, denn die Feuchtigkeit ist nichts, was auf Dauer förderlich für das bedruckte Papier ist. Der Händler, der meinen Blick bemerkte, schnappte sich das Buch und öffnete es. Ich staunte nicht schlecht, als nach den ersten Seiten des Buches, mit seinen vergilbten Blättern, zehn Zigarren zum Vorschein kamen. Feinst verpackt in Zellophan und mit einem Seidenband versehen, um die Entnahme zu erleichtern. Es war ein herrlicher Duft, der aus der als Buch getarnten Kiste voll Zigarren emporstieg. Ein Duft, der mich an getrocknete Kräuter erinnerte. Das Format fand ich auch besonders ansprechend: Small Perfecto

Ich hatte seit den Anfängen meiner Raucher-Karriere schon immer ein Faible für Perfectos. Viele Raucher haben mich gewarnt, dass dieses Format für Anfänger nicht geeignet ist und nicht unkompliziert zu rauchen sei, jedoch dürfte ich entweder ein Händchen dafür haben, oder die Tippgeber von damals waren einfach nur Idioten.

Nachdem ich also nicht ohne so ein Buch den Humidor verlassen konnte, freute ich mich bereits auf die erste Verkostung, allerdings nicht ohne mich klug zu machen, was ich eigentlich im Begriff war zu rauchen.

De los Reyes Cigars

Die Zigarre, die ich erworben hatte, stammt aus dem Hause De los Reyes Cigars in der Dominikanischen Republik. Die Familie Reyes ist seit über 150 Jahren im Tabakgeschäft und weil ihre Zigarren in unseren Breitengraden noch nicht den Stellenwert genießen, den Sie eigentlich haben sollten, kann ich doch meinen bescheidenen Teil zu deren Geschichte beitragen 😉 Das Unternehmen wird im Moment in der sechsten Familiengeneration von Nirka Reyes geführt. Die Tochter von Augusto Reyes senkte, als sie das Ruder übernahm, die Produktion von 13 Millionen auf 2,5 Millionen Stück. Sie behielt nur jene Zigarrenmarken, die Ihrer Meinung nach die besten der Besten waren. Entscheidungen wie diese trifft man in der heutigen Zeit eher selten und so Etwas finde ich immer äußerst sympathisch.

Saga Short Tales L.O.V

Zigarre in Aschenbecher

Kleines Kaliber mit großer Vielfalt!

Als ich zu Hause ankam, machte ich mir ein kleines Kännchen Kaffee und entnahm der Kiste die erste Zigarre, befreite sie aus dem Zellophan und legte sie sorgsam in den Aschenbecher. Während sich die Zigarren etwas akklimatisierte, brühte ich meinen Kaffee weiter auf. Als ich den Pressstempel der Kanne nach unten drückte und der Kaffee seinen herrlichen Duft durch meinen Rauchsalon zog, nahm ich den Cutter zur Hand. Das Deckblatt – ein Sumatra Ecuador – fühlte sich ölig an und die Zigarre roch jetzt noch würziger.

Das Umblatt der schlanken Lady ist bestes San Vicente und die Einlage Piloto Cubano Mejorado Viso und Pensilvania Viso. Eine Mischung die wirklich neugierig macht.

Die Zigarre ließ sich problemlos entflammen. Die ersten Züge am verjüngten Brandende ließen deutlich erkennen, was auf einen zukommen wird. Der Rauch war angenehm kühl, doch ich merkte, dass ich es hier mit ordentlich Nikotin zu tun hatte. Doch jede Sorge, oder anderer Gedanke war verflogen, als sich die Zigarre begann zu öffnen und ich den breiten Ansatz mit meiner Glut erreichte. Da war etwas im Rauch, dass ich nicht kannte, es war herrlich würzig. Ich erinnerte mich an meine Großmutter, die Bündel von Kräutern über dem Ofen trocknete. Die Zigarre weißt auch sehr dezente Holznoten auf und lässt sich herrlich neben dem Kamin schmauchen. Als ich die Hälfte der Zigarre erreichte kitzelte eine leichte Pfeffrigkeit meinen Gaumen und die Zunge. Ich erinnerte mich an den Kaffee der neben mir dampfte und er passte herrlich zu dieser würzigen Schönheit.

Zigarrenasche

Sehr feste Asche

Ich saß da, während die Zeit verging. Mein Blick ging ins Leere. Ich saß einfach nur da und rauchte, trank meinen Kaffee. Ich genoss den Duft, den die Zigarre verströmte und der sich mit den Kaffeearomen in der Luft vermischte. Ich dachte an Bücher die ich gelesen hatte, an Hemingway und Fitzgerald in Paris und an Stefan Zweig, an seinen letzten Tagen in Brasilien. Ich erinnerte mich an Worte die ich einst las, als ich im Zug von Wien nach Mailand fuhr. Und während meine Gedanken davon schweiften, genoss ich diesen Rauch der allmählich den Raum erfüllte und jetzt langsam zu seinem bittersüßen Ende ansetzte. Während ich die letzten Züge nahm, sah ich auf die angebrochenen Kiste, und ich wusste, dass ich bald wieder eine holen würde, nicht nur wegen der köstlichen Zigarren, sondern auch wegen der wunderschönen Kiste mit der sie umhüllt sind. In etwa zwei Wochen ist Weihnachten und eigentlich kann ich mir keine besseres Geschenk vorstellen als Zigarren, Zigarren in einem Buch.

Mein Blick fiel wieder auf die Kiste. Ich las die Buchstaben L. O. V. – Labor omnia vincit – Harte Arbeit setzt sich immer durch. Ja, allerdings!

 

In diesem Sinne Happy Smoking!!!

Buch Zigarrenkiste

Hier die ersten Seiten, unter denen sich die Zigarren verstecken…
(anderes Zigarrenformat)

 

 

 

Be first to comment