Eine ehrliche Zigarre

umnum im aschenbecher

Wahrlich treue Freunde findet man selten. Freunde, die mit einem durch dick und dünn gehen, die einen begleiten, unterstützen, fordern und formen, Freunde die einen durch die schwersten Zeiten im Dunkeln und durch den strahlendsten Sonnenschein begleiten. Wegbegleiter, die für einen da sind und einem in jeder Lebenslage niemals im Stich lassen. Diese „Freundschaft“ ist es, die der Zigarrenraucher auch in seinen Zigarren sucht. Also, ich für meinen Teil tue das.

Bis dato habe ich nur wenige Zigarren gefunden, die für mich solch treue Freunde wurden. Interessanterweise sind dies meistens Zigarren in den unteren Preisklassen. Ich bin ein Freund von Ehrlichkeit, besonders bei Zigarren. Nichts ist schlimmer, als wenn mir ein bescheidenes Raucherlebnis als die Krönung der Schöpfung präsentiert wird. Es gibt einige Marken – Nein, ich werde nicht sagen welche – sind die Königinnen der Präsentation. Die schönsten Banderolen lachen einem durch das teilweise leicht getönte Cellophan entgegen, die Kisten sind ebenfalls ein Traum. Doch die Zigarren selbst sind zwar – und das muss ich zugeben – gut verarbeitet, jedoch geschmacklich ist teilweise nichts vorhanden, oder so sie sind so linear, dass ich nach einigen Zügen gelangweilt und frustriert den Rauchvorgang stoppen muss.

Ein Trip nach Valencia

2018 hatte ich das Glück eine Einladung nach Valencia zu erhalten. Dort durfte ich einiges an neuen  Zigarren probieren und einige neue Freunde finden. Ramon und Aitor Zapata haben mich so herzlich empfangen, als wären wir eine Familie. Es vergeht keine Woche, in der mir nicht zumindest ein Zitat von Ramon durch den Kopf geht. Dieser Mann hat eine herrliche,unprätentiöse Art an die Zigarre heran zu treten. Aitor ist einer der lustigsten Menschen die ich kennenlernen durfte. Ich schätze seine Art an das Zigarrenbusiness heran zu gehen (auch wenn ich im Auto eher nicht neben ihm sitzen möchte. Der Mann hat einen rechten Fuß aus Blei 😉 )

Als ich in Valencia war – ich glaube es war am zweiten Tag – reichte mir Aitor eine Zigarre mit einer der schönsten und gleichzeitig schlichtesten Banderolen, die ich seit langem gesehen habe. Der Kopf eines Indios ist in Gold oder Kupfer auf eine matt-schwarze Banderole geprägt. Einfach edel!

Umnum Cigars

Umnum Anila

Was für eine schöne Banderole…

Ich war bereits nach ein paar Zügen begeistert. Eine wirklich tolle Zigarre, die noch dazu optisch wunderschön ist und perfekt verarbeitet. Der Name: Umnum

Mich erinnerte der Name an die Laute, die das Krümelmonster von sich gab und ehrlich gesagt, die Zigarre ist wirklich „omnomnom“. Aitor kam nach ein paar Minuten zu mir und fragte, was ich denn denke, in welchem Preissegment die Zigarre liegt. Ich war der festen Überzeugung eine Zigarre für ca. sieben bis neun Euro zu rauchen. Weit gefehlt! Die Umnum, die ich rauchte, kostet in Spanien € 2,90! Ja, es sind Longfiller!

Der erneute Selbstversuch

Nachdem in Spanien meine Kinnlade gnadenloses Opfer der Gravitation wurde, galt es in der Heimat diese Zigarre nochmals zu verkosten. Ich wollte wissen, ob es das Umfeld war, dass diese Zigarre mich so begeistert hatte, oder war die Zigarre einfach wirklich so gut.

Aitor Zapata hatte mir einige Exemplare zugesteckt, als ich mich auf den Weg zum Flughafen machte. Nach meiner Ankunft wanderten die braunen Schönheiten für einige Wochen in meinen Humidor. Anschließend stand einer Verkostung nichts mehr im Wege.

Es ist ein Sonntagvormittag. Der Kaffee ist fertig gebraut und für den Verzehr bereit. Der Aschenbecher ist auf dem Tisch geparkt, Flammenwerfer und Cutter liegen bereit. Ich befühle das Deckblatt der Nicaragua Variante von Umnum, herrlich weich und dezent ölig. Die Zigarre besteht aus Sungrown, Indonesian Capote, sowie Seco und Viso de Jalapa und Ometepe.

Cut und Flammenopfer sind rasch erledigt und die ersten Züge sind dicht und vollmundig. Eine leichte Süße breitet sich im Mundraum aus. Eine sanfte Pfeffernote kitzelt die Nase. Ich greife zu einem Buch von und beginne zu lesen. Die Zigarre ruht zwischendurch immer wieder einige Minuten im Aschenbecher. Sie geht weder aus,noch entwickelt sich Schiefbrand. Die Dame im Aschenbecher braucht erstaunlich wenig Aufmerksamkeit, das einzige, was sie möchte, ist, dass man sie genießt.

Gegen Ende des ersten Drittel wird die Umnum kräftiger. Sie bleibt jedoch so unkompliziert wie bereits erwähnt. Ich verschlinge die Lektüre, genieße den Kaffee umhüllt von dem Rauch, den wir alle so lieben. Das Raumaroma ist ebenfalls recht angenehm und nicht so beißend, wie man es des öfteren bei Zigarren erlebt.

Es istdas letzte Drittel des Rauchvergnügens, das ich so schätze. Die Süße verabschiedet sich und begrüßt dabei eine leicht bittere Note, die entfernt an dunkel gerösteten Kaffee aus Kolumbien, oder Brasilien erinnert. eine herrliche Komposition.

Was diese Zigarre so besonders macht

Umnum Honduras

Der Kupferton der Umnum Honduras

Ich habe wahrlich schon einiges geraucht. Allerdings habe ich noch nie zuvor eine so interessante Zigarre geraucht, die mich nun seit einigen Wochen durch den Alltag begleitet. Es ist eine herrliche Zigarre, der ich entweder meine volle Aufmerksamkeit schenken kann, oder die ich beinah achtlos und nebenbei rauchen kann. Umnum ist der perfekte Allrounder, eine Zigarre für die Arbeit, das Wochenende und vor allem eine Zigarre, die man getrost zu 20 Stück und mehr kaufen kann, ohne den Geldbeutel arg zu belasten.

Ausnahmsweise muss ich Ramon Zapata widersprechen:“Es ist nicht die beste Zigarre zu diesem Preis. Es ist schlicht und ergreifend eine verdammt gute Zigarre. Und diese braucht den Vergleich zu Premium-Longfillern auf keinen Fall zu scheuen.

In diesem Sinne: Happy Smoking!!!

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